9.

Unsere Welt ist eine Rhapsodie und kein Rhapsode singt richtig – aber jeder muss die Möglichkeiten haben, mit seinem Funk zu überzeugen.

8.

Wenn ein Paradigma alles Wesen, Wirken und Wollen in der Welt überlagert, wie könnte man dann noch eine Welt gebären und formen? „Warum sollte man überhaupt Welten formen, es ist doch eine da? Warum sollte man die schwere Geburt, ungeachtet des eigenen Dünkels, wollen?“ Eine sonderbare Frage. Warum macht man das gleiche mit Kindern? Weil wir ohne unsere Schöpfung nicht mehr gebraucht und ausradiert werden.

7.

Wenn die Neurowissenschaften im Stande sind, unseren Geist vollständig zu erklären und die Kunst ein Projekt unserer Seele ist, dann wissen wir in naher Zukunft alles, was es über die Kunst zu wissen gibt und in welcher Beziehung sie zu uns steht. Es scheint, als sei ich nicht die einzig naive Person auf dieser Erde.

6.

Wie naiv ich war. Als junger Mensch träumte ich von einer Philosophie, die nicht nur die Welt neu- und wieder entdeckt, nein, ganz besonders die Welt neu erfindet. Vielleicht nicht nur das: neue Welten erschafft. Gleichzeitig war ich indoktriniert und fasziniert von der Erklärungshoheit und der allgemeinen Alleinstellung der Naturwissenschaften, der harten Wissenschaften. Heute, da habe ich diese Naivetät abgelegt – und komme endlich zu meinem ursprünglichen Vorhaben zurück.

5.

Wir ertragen die Einsamkeit nur in homöopathischen Dosen. Doch wir wissen, dass auch Placebos einen Effekt haben, selbst wenn wir um deren Wirkungslosigkeit ahnen.

4.

Das Verlangen nach Einsamkeit ist eine Parodie: es macht sich lustig über unsere Unfähigkeit, den Alltag und den Alltagsmenschen zu begreifen.

3.

Wir sehnen uns Einsamkeit herbei. Wir verwechseln sie mit einem Zustand der Freiheit – bis man einsam ist und ihre volle Last dem Individuum die Luft zum atmen raubt.

2.

Es kann nur eine Wahrheit geben; deshalb macht sie einsam.

1.

Seien wir doch ehrlich: undogmatisch und widerspruchsfrei – nicht einmal ein Irrtum! Jedes System leidet an sich selbst. Jedes System ist ein Versuch, aus dem Labyrinth der Subjektivität auszubrechen und möglichst viele davon zu überzeugen, den gleichen Ausweg zu nehmen. Stattdessen könnten wir versuchen, das Labyrinth gemeinsam zu erkunden, zu vermessen, zu gestalten und endlich mit dem Sehen beginnen: hinter jedem Ausgang befindet sich eine Wahrheit, die den Tod der anderen bedeutet.

Die fragmentarische Welt wie sie nicht ist

Für Nietzsche

Im Regen verbirgt sich
Hinter seiner Unscheinbarkeit
Die einzige Wahrheit

Du gehst raus
Hörst das Prasseln
Spürst die Kühle

Und vielleicht das erste Mal
Weißt du.