Feste

Ein Fest begehen bedeutete auch einmal: festliches Schweigen. Ich war lange auf keinem Fest mehr, auf dem geschwiegen wurde, es sei denn, wir wissen tatsächlich noch immer nicht, die richtigen Feste zu feiern.
Ein Fest feiern bedeutet heute aber auch: Profit schlagen. Das macht öffentliches Schweigen wohl zur radikalsten Form des Protestes. Es hört nur niemand.

23.

Die Vernunft war lange Zeit der Primat der Philosophie: höchste Form des Denkens, allgemein zugänglich und allgemein menschlich. Trotz aller Vernünftelein ist doch nach allen verfügbaren Maßstäben erheblich viel Unvernunft in der Welt. In Wirklichkeit ist die Imaginationskraft viel leichter zugänglich und in starkem Sinne allgemein menschlich. Eine Philosophie, die eine aufrichtige Freundschaft zu Sophia führen möchte, muss sich diesem Vermögen mindestens so stark widmen, wie der Vernunft und zwar im Gegenstand, wie auch in der Anwendung. Dann geht die Philosophie endlich wieder alle Menschen etwas an und der Elfenbeinturm kann abgerissen werden. Menschen wissen, wie man ohne Obdach überlebt, nur Philosophen müssen das noch lernen.

22.

Niels Bohr schrieb 1960 es ist falsch anzunehmen, dass es die Aufgabe der Physik sei herauszufinden, wie die Natur tatsächlich ist. Physik beschäftige sich damit, was wir über die Natur aussagen können. Die Philosophie beschäftigt sich ebenfalls nicht damit, wie die Welt tatsächlich ist, doch sie sollte sich mehr damit auseinandersetzen, wie wir leben wollen; und das schließt mehr ein, als ein einzelner Mensch überblicken könnte.

18.

Computerspieler wissen, was es bedeutet, den eigens erstellten, benannten, geformten, gespielten und verwalteten Charakter in eine Herde viel zu starker Feinde laufen zu lassen, ihn eine Klippe hinab zu stürzen oder sich – denn der Spieler spricht, als wäre er es selbst – von etwas großem überrollen zu lassen, nur um zu wissen, wie es ist, wie es sich anfühlt und was daraus folgt. Nun fehlt ihm lediglich die richtige Portion Don-Quijoterie: jener las so viele Ritters-Romane, bis er höchstselbst einer geworden ist. Der Spieler hingegen verwechselt sich nur sprachlich mit seinem virtuellen Charakter. Darin liegt der wichtigste Unterschied zwischen Buch und Spiel: das eine stimuliert, das andere sediert.