18.

Computerspieler wissen, was es bedeutet, den eigens erstellten, benannten, geformten, gespielten und verwalteten Charakter in eine Herde viel zu starker Feinde laufen zu lassen, ihn eine Klippe hinab zu stürzen oder sich – denn der Spieler spricht, als wäre er es selbst – von etwas großem überrollen zu lassen, nur um zu wissen, wie es ist, wie es sich anfühlt und was daraus folgt. Nun fehlt ihm lediglich die richtige Portion Don-Quijoterie: jener las so viele Ritters-Romane, bis er höchstselbst einer geworden ist. Der Spieler hingegen verwechselt sich nur sprachlich mit seinem virtuellen Charakter. Darin liegt der wichtigste Unterschied zwischen Buch und Spiel: das eine stimuliert, das andere sediert.

17.

Wenn ich träume, dann weiß ich nicht, wer ich bin. Weiß ich es jetzt? Bin ich nicht wie durch Zufall noch die gleiche Person wie im Moment zuvor? Werde ich mich morgen noch erkennen oder mich nur daran erinnern, einst die Person von gestern gewesen zu sein? Die Identität scheint zerbrechlich…

13.

Die eigene Existenz muss keine metaphysischen Angelegenheiten herauf beschwören. Ihr Gegenteil kann nicht behauptet werden. Wer das Gegenteil dennoch behauptet, der benötigt keinen Theologen, keinen Philosophen, keinen Physiker oder Biologen, kein Argument könnte helfen. Abhilfe brächte nur eine Therapie!

10.

Das Zentrum fehlt. Es muss fehlen! Eine Rhapsodie darf keinen großen Formzusammenhang haben, sonst wäre sie etwas anderes. Aber sie ist nicht voraussetzungslos. Abschätzig blöken ihre Kritiker: „ungeordnet, mangelndes Formbewusstsein, irgendwie irgendwas!“ Doch worauf fußt ihre Kritik? Auf einer einsamen Wahrheit.