Geistheilung. Eine Komödie in 3 Akten (2/2)

Vorheriger Teil (1/2)

Nach einer Weile
Heidi: Also so gut war es seit Wochen nicht.
Renz: Aber die Schmerzen sind noch da?
Heidi: Sie sind nicht ganz weg, aber ich kann meinen Kopf viel besser bewegen als vorher. Das ist ja Irre!
Renz (scherzend bestimmt): Nein, du bist nicht irre!
Heidi: Aber wirklich, so gut war es schon lange nicht mehr.
Renz (unbefriedigt): Aber die Schmerzen sind noch da?
Heidi: Ja.
Renz: wo genau?
Heidi ringt nach Worten, die Renz noch nicht gehört hat und führt ihre Finger wieder über die linke Schulter-Nackenpartie
Heidi: Hier so am Nacken. Der Muskelstrang ist da noch so stark spürbar.
Renz: Dann tu mal das, was ich dir sage.
Heidi bereitet sich vor
Renz: Kopf nach links drehen –
Heidi dreht ihren Kopf nach links
Renz: Kopf nach rechts drehen –
Heidi dreht ihren Kopf nach rechts
Renz: Kopf nach oben –
Heidi schiebt ihr Gesicht zur Decke
Renz: Kopf nach unten –
Heidi senkt sich demütig zu Boden
Renz: Wie ist es nun?
Heidi spürt nach
Heidi: Doch ist noch da, aber wirklich: so gut war es ewig nicht!
Renz (sichtlich unzufrieden, aber guter Dinge): Dann müssen wir noch nachbessern. Lass uns Händchen halten.
Chor: gelächter
Renz: Ja, da mach ich immer einen Witz, aber das ist besonders wichtig für die Verbindung. Ich mach das nicht nur, weil ich gerne Händchen halte.
Renz nimmt diesmal nur ihre beiden Zeigefinger, bereitet sich auf seine Trance vor
Renz: Nochmal bitte all eure Herzensliebe an Heidi. Schließ die Augen.
Einige Augenblicke später
Renz: Wie ist es jetzt?
Heidi reckt ihren Kopf in alle Richtungen
Heidi: Also es tut schon noch –
Renz springt auf, stellt sich zur ihrer Rechten
Renz: Wo genau?
Heidi (deutend): Hier so, der Nackenstrang.
Renz legt andächtig seine Hand auf ihren linken Nackenmuskel und nimmt dabei Heidis kleinen Finger ihrer linken Hand in seine rechte Hand. Er schließt die Augen, sie tut es ihm gleich. Nach einer kurzen Weile wechselt er vom kleinen Finger auf den Ringfinger, dann auf den Mittelfinger und schließlich auf den Zeigefinger. Weitere Zeit vergeht. Beide öffnen die Augen, er lässt von ihr ab in Hoffnung
Renz: Wie ist es nun?
Heidi (prüfend): Nein, also vielleicht ein bisschen besser, aber ernsthaft: so gut war es noch nie. Das ist der Hammer!
Renz: Nein, du bist auch kein Hammer. Manchmal braucht der Kopf noch etwas, bis er merkt, dass der Geist gesund ist. Du bist gesund!
Heid: Irre – Wow.
Renz: Danke Heidi und danke euch für die Herzensliebe! Wir konnten Heidi helfen kraft Ihrerselbst und dank Gott.
Ich kann jetzt noch was erzählen oder sollen wir gleich eine fantastische Meditation machen?
Heidi integriert sich nach einem letzten Händedruck währenddessen in den Chor zurück
Frau aus Chor: Erzählen.
Renz: Mh?
Frau und Mann aus Chor: Erzählen sie doch noch was, ich würde –
Renz: Meditation?
Frau aus Chor: Ja, Meditation.
Chor (einstimmend): Ja, Meditation.

Akt 3

Renz geht zu einem billig aussehenden Abspielgerät, welches seine zertifizierte Meditationsmusik bereits in CD-Form enthält. Er schaltet es an, dreht auf. Es klappert, knarzt in den Ohren. Vom Rücken her hält der Messelärm dagegen.
Renz: Ist das laut genug?
Chor: stummes Nicken
Renz: Wir setzen uns entspannt hin, mit gerader Wirbelsäule. Wir erden unsere Füße ganz bewusst. Jeder von euch formuliert nun einen Wunsch, einen Auftrag. Ihr müsst ihn niemandem verraten.
Mit markiger Stimme, österreichischer Dialekt, ist Renz versucht, sich zwischen dem Lärm bemerkbar zu machen. Er redet von unserem schweren Körper, von den Regenbogenfarben, die der Chor sich vorstellen solle –
Renz: fantastisches „Arange“, ein kräftiges Rot, ein leuchtendes gelb – und schließlich: ein göttliches Violett. Wir versinken in diesem Violett. Wir erheben unseren Geist zu diesem Violett. Nun stehen wir vor der Himmelspforte. Wir klopfen an.
Renz beschreibt, wie wir eintreten, was es dort alles schönes gibt – er scheint wohl häufiger dort zu sein –, wie wir dort geheilt werden. Dann gilt es, die Rückreise anzutreten. Wir durchlaufen alles noch einmal rückwärts – die Pforte, den Regenbogen – und kehren schließlich in unseren Körper zurück
Renz: Nun macht jeder nach eigenem belieben die Augen auf, damit ist unsere göttliche Meditation beendet.
Renz dreht die Musik ab
Renz: Ich hoffe, es geht euch allen gut – besser als vorher. Ich mach das schon ganz lang. Ich wollte euch teilhaben lassen an meiner Lebens- und Heilerfahrung. Denkt daran, was man auch im Alltag machen kann. Was jeder so für Hintergründe hat. Positives Denken ist auch positives Leben. Wenn ein Auto euch schneidet „ah dieser Idiot!“, aber wer zieht den Kürzeren? Vielleicht hatte er einen üblen Tag. Auch die vielen Bildschirme, das ist alles Stress, der macht krank. Man muss jetzt nicht aufs Handy verzichten, ich habe auch eines,
Renz zeigt sein eigenes, altes Handy hervor, auf dem ein ungewöhnliches Symbol prankt. Im Nachhinein stellt sich heraus, es handelt sich dabei um eine Energiekarte, die die schlechte Energie des Handys absorbiert.
Renz: etwas älter – aber Strahlungsärmer. Gibt es noch Fragen?
Mann aus Chor: Vor ihrer Heilung haben sie da so ein Gerät benutzt. Um was handelt es sich dabei?
Renz: Das ist ein MED-Tensor, der macht die Schmerzen sichtbar. Weitere Fragen?
Keine Fragen
Renz: Dann wünsche ich noch einen schönen Abend, kommt vorbei an meinem Stand noch bis 19 Uhr.

Renz packt ein und ab.

Geistheilung. Eine Komödie in 3 Akten (1/2)

Geistheiler Hannes Ranz, dicke Brille, Mitte 60, einige Zähne fehlen, Österreichischer Dialekt
Heidi
Chor (Saalpublikum)

Ein kleiner Hörsaal (#5), zum Hauptmessesaal im Löwenbräukeller geöffnet, lauter Hintergrund, Hörsaal voll besetzt (ca. 20 – 30 Personen). Auf der Bühne ein Tisch, zwei Stühle. Auf dem Tisch der Koffer des Heilers. Die Bühne weist einen umständlichen Knick auf.

1. Akt

Ranz: Guten Abend. Mein Name ist Hannes Ranz, ich bin Geistheiler und Rutengeher. Was wir von unserer Umwelt sehen sind nur 10%, der Rest ist die Feinstoffliche Ebene. Sie ist aber ausschlaggebend für unsere Gesundheit. Sie gilt es zu beeinflussen.
Ich werde erst etwas von mir und meinem Leben erzählen; das war nicht immer schön, aber jetzt geht es mir schon seit 30 Jahren gut. Dann werde ich, sofern sich jemand mit einem Wehwechen findet, eine Heilung hier vor Ort vornehmen und im Anschluss noch eine fantastische Meditation, wenn das für euch in Ordnung ist. Ist das für euch in Ordnung?
Chor: Ja.
Ranz: Ist das für euch in Ordnung?
Chor: Ja!
Ranz: Gut.
Also, wer würde sich bereit erklären, wer hat ein Wehwechen, um das wir uns heute kümmern können? Ich bin jetzt schon seit 30 Jahren schmerzfrei, davor hatte ich immer etwas – mit dem Rücken oder so –
Heidi steigt aus dem Chor empor
Heidi: Ich.
Ranz: Komm doch bitte vor.
Heidi kommt nach vorne und betritt das Parkett.
Ranz: Was hast du? Ich darf doch du sagen.
Heidi: Natürlich. Ich habe Nackenschmerzen.
Ranz bittet eine Dame aus der ersten Reihe des Publikums auf ihren Nachbarstuhl zu rutschen, damit Heidi ihren haben könne – neben ihr sind zwei Stühle frei. Dann bemerkt er, dass hinter ihm, rechts hinten auf der Bühne ein Stuhl steht. Nachdem Heidi sich platziert hatte, kommt er jedoch nicht mehr mit dem Stuhl um den Knick herum. Ein eigenwillig peinliches Gerangel, bis sie sich endlich gegenüber sitzen – unbemerkt: dass hinter ihm am Tisch ein weiterer Stuhl stand, den er mit Leichtigkeit hätte nehmen können.

2. Akt

Ranz: Heide. Warum sitzt du hier?
Heidi: Weil du gesagt hast, ich soll mich hier her setzen.
Chor lacht
Ranz: Na, aber du hast doch einen Grund, dass du hier vorgekommen ist.
Kurze Pause
Heidi: Ich habe Nackenschmerzen.
Ranz: Gut – also nicht gut. Wo genau tut es weh?
Heidi schiebt ihre Haare hin und her, um mit ihren Händen richtig anzeigen zu können, wo es schmerzt. Ranz steht auf und holt ein unerklärtes Geräte aus seiner Tasche. Ein Schwengel mit Griff und einer Holkugel vorne dran. Der Mittelteil ist lang und sehr flexibel. An der Unterseite des Griffs geht ein Kabel zu einem kleineren Holzgriff mit einem Kupferkontakt hinab. Jener Schwengel soll die betroffenen Stellen anzeigen, Ranz geht offenbar davon aus, das Publikum ist mit der Funktionsweise vertraut. Er hält den Schwengel an betroffene und unbetroffene Stellen. Manchmal dreht er dann den Schwengel heftig im Kreis, manchmal nur wenig und einige Male garnicht. Ein Muster ist nur schwer erkennbar. Immerwieder fragt Ranz zwischen, wo genau es weh tut, als sei er sich nicht ganz sicher, ob sein Schwengel den richtigen Output liefert.
Ranz (An den Chor): Geistheilung, das bedeutet, die körperlichen Schmerzen auf eine geistige, göttliche Ebene zu heben und sie dort zu heilen. So wird der Körper gesund. Ich gebe keine Heilgarantie, das kann ich auch nicht. Das ist nicht meine Entscheidung. Steh bitte auf.
Pause
Ranz: Steh auf.
Pause
Chor lacht, Heidi wirkt abwesend.
Ranz (gespielt genervt): Aufstehen!
Heidi schrickt etwas auf, steht auf.
Heidi: Achso.
Ranz schwengelt ihren Rücken entlang und spricht davon, als habe er etwas bewiesen – freilich meint er die Lokalisierung des Schmerzes – vielleicht noch mehr – nur verstanden hat es niemand. Ranz legt seinen Schwengel zur Seite, beide setzen sich.
Ranz: Du hast also Schmerzen im Nacken.
Heidi: Ja.
Ranz: Was ist die Diagnose?
Heidi: Es ist eben hier so am Nacken, an der Nackenwirbelsäule, wie eine Skoliose.
Ranz: Gab es einmal einen Unfall?
Heidi: Nein.
Ranz: Vielleicht ein persönliches, schlechtes Erlebnis in ihrem Leben? Misshandlung?
Heidi etwas betreten
Ranz: Du musst das nicht erzählen.
Heidi schweigt grübelig
Ranz: Irgendwas schlimmes in deinem Leben?
Heidi: Naja, also sicher gab es da das ein oder andere.
Ranz: Dann lass uns einen Auftrag formulieren (zum Chor) man braucht ja einen Auftrag um zu arbeiten. Was ist dein Auftrag?
Heidi wieder betreten
Ranz: Was willst du von mir?
Kurzes schweigen
Ranz: Na es gibt doch einen Grund, warum du hier bist.
Heidi: Ja also ich will, das mein Nacken nicht mehr weh tut.
Ranz (zum Chor): Ist das ein guter Auftrag?
Chor (durcheinander): Ja – Nein – das muss man ganzheitlich formulieren – passt schon – das ist doch nur das Symptom, nicht die Ursache —
Ranz (selbstzufrieden): Also kein guter Auftrag.
Heidi: Ja, ich weiß nicht.
Ranz (bohrend): Was ist mein Auftrag für dich?
Heidi: Ich will gesund werden –
Ranz (unterbricht): Na aber aber, wann trifft man Entscheidungen?
Heidi überlegt kurz
Heidi: Jetzt.
Ranz: Genau. Was ist also dein Auftrag?
Heidi versteht nicht.
Ranz (eine Antwort entlockend): „Ich bin
Heidi: gesund.“
Ranz: Na eben. Bescheiden, aber umfassend.
Alle lachen
Ranz: Gut, dann gib mir bitte deine Hände.
Heidi legt ihre Hände in seine
Ranz: Hier wird gleich Energie fließen, du, Heidi, wirst es auch spüren. Wenn ich dann gleich in Trance gehe (zum Chor) müsst ihr all eure Herzensliebe an Heidi senden, ich brauche eure Hilfe! Heidi, schließ bitte die Augen und denk an den schönsten Moment deines Lebens. Wenn du soweit bist, sage: jetzt.
Heidi schließt die Augen. Einige Momente vergehen, bis sie den schönsten Moment ihres Lebens abgerufen hat. Ranz drängt.
Ranz: Bist du so weit?
Heidi: Ja.
Ranz: Dann sag: jetzt.
Heidi: Jetzt.
Ranz (an Chor): Schickt jetzt eure Herzensliebe!
Ranz schließt ebenfalls die Augen. Einige Zeit geschieht nichts. Sie sitzen mit geschlossenen Augen, reglos, händehaltend. Der Messehintergrund ist laut. Der Chor schickt seine Herzensliebe.
Beide öffnen die Augen. Ranz erwartungsvoll, Heidi verwirrt. Sie beginnt ihren Hals zu bewegen.

Fortsetzung folgt…

Pornoparty

Meine Nichte hat vor wenigen Tagen folgenden Dialog im Bus zwischen zwei Problemvierteln erlauscht:

K: Weißt schon. Ich schau voll gern so Pr0n! Ohne wär ich voll unruhig, weißt?
T: Ja, versteh schon. Wenn da so ne geile Sau sich sein riesen Teil reinschiebt und dann so hart kommt.
K: Ja, das ist mega! Mir ist das letztens auch so in echt passiert. Ich war so hart und dann ist sie so krass gekommen! Mit spritzen und so, weißt?
T: Nein man, glaub ich dir nicht.
K: Doch ey! – und es war deine Mutter!
T: Halt mal‘s Maul, man! Du mit deinem kleinen Penis!
K: Mein Ständer ist voll groß, ja! Der hat deine Mutter zerstört!
T: Meiner ist größer, da würde dir hart der Arsch bluten, glaube mir.

Dieses Gespräch hat zu keiner Zeit statt gefunden und ich habe auch keine Nichte.
Folgendes hingegen ereignete sich so oder so ähnlich zum Neujahr 2018:

K: Ich habe einen Knopf.
T: Ich habe einen größeren Knopf.