Sie lag in ihrem Bett. Neujahr. Keine Vorsätze. Nur zerhackte Bruchstücke einer Sprache, die sie seit ihrer Kindheit immer missverstand. Sie bewegte sich kaum, während sie aus dem Fenster starrte und den Wolken dabei zusah, wie sie Stunde um Stunde dunkler wurden, bis es Nacht war. Sie hatte gestern zu viel getrunken, das schon, aber das erklärte nicht das hohe Gewicht, das sie in die Matratze drückte. Ein Blick auf die Uhr. Alles bedeutete etwas. Der Schmerz. Sie spürte Schmerz. Es war der Schmerz zukünftiger Jahre. Die Jahre, in der alle ihre Freunde, all ihre Familie diese Welt bereits verlassen hatten. Wo war ihre Würde, wo die Philosophie? Was erinnerte sie daran, dass es kein Leben ohne Tod gäbe? Sie selbst. Aber das half nichts gegen die Endgültigkeit des Todes. Wissen kleiner Last. Sie dachte über Selbstmord nach. Merkwürdig, nicht? Wie dieser Satz nur missverstanden werden konnte. Sie wollte sich nicht umbringen: keine Vorsätze für das neue Jahr. Sie konnte auch nicht ausschließen, dass eine Psychologin ihr Zwangsgedanken unterstellte. Aber das war gerade nicht wichtig. Wichtig war, dass alle sterben werden. Alle.

1.

Seien wir doch ehrlich: undogmatisch und widerspruchsfrei – nicht einmal ein Irrtum! Jedes System leidet an sich selbst. Jedes System ist ein Versuch, aus dem Labyrinth der Subjektivität auszubrechen und möglichst viele davon zu überzeugen, den gleichen Ausweg zu nehmen. Stattdessen könnten wir versuchen, das Labyrinth gemeinsam zu erkunden, zu vermessen, zu gestalten und endlich mit dem Sehen beginnen: hinter jedem Ausgang befindet sich eine Wahrheit, die den Tod der anderen bedeutet.