Schluckauf

Ich habe einen Schluckauf
Ich schlucke auf ich schlucke ab
Ich habe einen Lebenslauf
Ich schluck ihn runter ich kotz ihn aus
Ich sehe eine Pfütze
In dieser Pfütze seh ich Stücke
Biologische Monographische
Monolithisch steh ich darauf
Ich steh in dieser Pfütze
Ziehe kreise in die Grütze
Drapiere alles zeitgemäß
Bekomme einen Harten
Von meinem steilen Gesäß
Ich setze mich darein
Und fang schon wieder an zu Spein
Diesmal bin ich klüger
Ich fange alles auf
Ich führe es mir wieder
Mit einem Schlauche ein
Jetzt fühle ich mich gut
Mein Lebenslauf geht steil Bergauf
Eines ist mir sicher
Qualifikation: Speichellecker

Mein Zwerchfell gibt noch keine Ruh
Ich schlucke auf ich schlucke ab
Mein Leben läuft den Gully runter
Schon vorbei
Was bleibt ist dieser Ekelfleck
Es ekelt mich doch bis zuletzt
Hät ich nur alles drin behalten
Gelebt hät ich bis zu den Falten
Hät andern Innen offenbart
Statt offen andre zu belügen
Damit ich meine Kreise dreh
Mir einer von mir selber steht

Und niemand niemand mich versteht
Weil ich mich nie hab selbst geliebt

Schnapsidee

Nächtliche Umtriebe fassen die Herzen, nochmehr den Verstand und
Ziehn in die Stadt für Gelage, nur schnell denn sonst kommt die Vernunft und
Tübingens Drei*, je mit Bier in der Hand, ragen tief in die Stadt und
Älter die Nacht, gleich seniler die hohlen, vielleicht in der Vorzeit
Brauchbaren Birnen. Nebst Bier gab es Schnaps und im Wein: da liegt Wahrheit.
„Damit“, sagt einer, „stößt alle Welt an!“, doch wahrhaftig bleibt letztlich
Endlich bloß nur der spät-nächtliche Döner, verschmiert in Gesichtern:
„Bester der Welt!“ Für die Drei ist das klar. Noch ein Bier oben auf und
Schluss mit dem Denken, jetzt wird funktioniert und mit schwindendem Grips noch
Stiftwärts marschiert und so heiß diskutiert, bis die Münder versagen,
Reiz zu beweisen: die Welt ist gesetzt, denn das sehen wir ja; sie
Gründlich verstehen klappt nur durch Ideen, ihr Ursprung und Ende.
Trotzalledem, als dann garnichts mehr ging, blieb das Amusement der
Eigenen Namen und gleich wie die Kinder gab’s kein Halten, aber
Wenn sie im Recht bleiben, müssen wir hoffen, dass unsren Besoffnen
Morgens dann doch noch die Nummer des Weltgeists im eigenen aufploppt!

*Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Wilhelm Friedrich Joseph Schelling und Johann Christian Friedrich Hölderlin.

Sehr smart!

Während ich so auf mein Handy starre
Im Laufen trinke ich aus meiner Sportsmenflasche
Der Flaschenhals verjüngt sich nach oben zum Nippel
Damit ich mich beim trinken auch ja nicht bespritzel.

Während ich so auf mein Smartphone lunze
Das Wissen der Welt im Internet suche
Vergess ich doch glatt, wo ich mich befinde
Auf der Straße, ich höre noch Autogehupe.

Während ich so auf einen Bildschirm hoffe
Verstümmelte Finger ohne Touchfunktion
Die Glieder in Gips und einen Schlauch im Loch
Frage ich mich, wie smart ist das noch.

Ich lebe

Ich lebe im Haus der Gezeiten
Mittlerweile steht das Wasser zum Hals
Reinpissen hat noch nie geholfen
Ach jetzt mach ichs halt

Noch stehen wir in unserem Sud
Früher glaubte man an Ebbe nur Mut
Genieß das Leben alles wird gut
Der Gestank zerfetzt meine Zellen

Er zersetzt auch dein Hirn denn hier bist du
Machst nichts besser ich steh an der Schwelle
Zum Nirgendwo dort ist kein Platz
Dort gibt es nichts kein Ich kein Du

lass mich

lass mich ersaufen ich hole tief luft ich
bekomm keine luft hier ich schmecke das bier
auf der zunge ein prickeln ich kann das ich
will das jetzt
ein rausch ich will rauschen im kopf ich
kann das ich mach das ich hab das im griff
das bier schmeckt wie mordlust wie sonne ich
glühe ich breche
das brot auf den boden dort liegt eine flasche ich
bin es du weißt es ihr wisst es ich nicht
ich spürs in den adern das pochen die sinne ich
sehe den sinn
auch das licht brennt so hell und so grell ich
seh nicht mehr gut ich nehm noch ein glas
ich nehm noch ein glas ich nehm noch ein glas ich
lebe dafür
nicht so viel sagen sie ihre blicke ich
habe spaß sage kennt ihr wohl nicht
ihr werdet schon sehen ihr fotzen ich
weiß es
besser schnaps
weniger ich
und
ab

Horror vacui

hier ist kein platz für leere
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