Das Mitsein hat eine historische Dimension. In ihr geschieht die Auseinandersetzung mit den eigenen Vorgängern. Doch darf man ihnen niemals Recht geben: sonst wird aus dem Mitsein ein Fürsein.
Autor: David
18.
Computerspieler wissen, was es bedeutet, den eigens erstellten, benannten, geformten, gespielten und verwalteten Charakter in eine Herde viel zu starker Feinde laufen zu lassen, ihn eine Klippe hinab zu stürzen oder sich – denn der Spieler spricht, als wäre er es selbst – von etwas großem überrollen zu lassen, nur um zu wissen, wie es ist, wie es sich anfühlt und was daraus folgt. Nun fehlt ihm lediglich die richtige Portion Don-Quijoterie: jener las so viele Ritters-Romane, bis er höchstselbst einer geworden ist. Der Spieler hingegen verwechselt sich nur sprachlich mit seinem virtuellen Charakter. Darin liegt der wichtigste Unterschied zwischen Buch und Spiel: das eine stimuliert, das andere sediert.
17.
Wenn ich träume, dann weiß ich nicht, wer ich bin. Weiß ich es jetzt? Bin ich nicht wie durch Zufall noch die gleiche Person wie im Moment zuvor? Werde ich mich morgen noch erkennen oder mich nur daran erinnern, einst die Person von gestern gewesen zu sein? Die Identität scheint zerbrechlich…
16.
Ihr Musiker, Bildner, Schauspieler, ihr Kreativen, ihr Schöpfer: warum sammelt ihr euch an immergleichen Orten, in immergleichen Städten? Hört auf euch gegenseitig zu tätscheln! Geht in die Welt, in die Wildnis, überall dorthin, wo man euch so dringend benötigt, wo das Erleben verarmt; sonst verarmt euer Talent und ihr mit dazu.
15.
Mag es Ideen ohne Gestalt geben, so vermag keine Philosophie gestaltlose Ideen zu vermitteln. Darum benötigen wir eine ausdrucksvolle Form. Form darf aber nicht mit Formalisierung verwechselt werden: die Form ist die bedeutungsvollere Schönheit dieses Zwillingspaares.
14.
Kann unser Dasein ohne Mitsein gedacht werden? Warum klingeln wir nicht eben bei unserem Nachbarn und fragen ihn – und lachen gemeinsam über dieses umhergeblödel!
13.
Die eigene Existenz muss keine metaphysischen Angelegenheiten herauf beschwören. Ihr Gegenteil kann nicht behauptet werden. Wer das Gegenteil dennoch behauptet, der benötigt keinen Theologen, keinen Philosophen, keinen Physiker oder Biologen, kein Argument könnte helfen. Abhilfe brächte nur eine Therapie!
12.
Wer nicht lustvoll lebt, darf keine Gäste erwarten, denn niemand wird die gespielte Musik hören wollen.
11.
Wir alle spielen die gleiche Musik und ihr Kennzeichen ist die Nicht-Identität. Welches Glück und was für Wahnsinn widerfährt jenen Tänzern, die jede Musik mit allen Sinnen hören und tänzerisch verstehen – in aller Körperlichkeit, in voller Lust.
10.
Das Zentrum fehlt. Es muss fehlen! Eine Rhapsodie darf keinen großen Formzusammenhang haben, sonst wäre sie etwas anderes. Aber sie ist nicht voraussetzungslos. Abschätzig blöken ihre Kritiker: „ungeordnet, mangelndes Formbewusstsein, irgendwie irgendwas!“ Doch worauf fußt ihre Kritik? Auf einer einsamen Wahrheit.