17.

Wenn ich träume, dann weiß ich nicht, wer ich bin. Weiß ich es jetzt? Bin ich nicht wie durch Zufall noch die gleiche Person wie im Moment zuvor? Werde ich mich morgen noch erkennen oder mich nur daran erinnern, einst die Person von gestern gewesen zu sein? Die Identität scheint zerbrechlich…

15.

Mag es Ideen ohne Gestalt geben, so vermag keine Philosophie gestaltlose Ideen zu vermitteln. Darum benötigen wir eine ausdrucksvolle Form. Form darf aber nicht mit Formalisierung verwechselt werden: die Form ist die bedeutungsvollere Schönheit dieses Zwillingspaares.

14.

Kann unser Dasein ohne Mitsein gedacht werden? Warum klingeln wir nicht eben bei unserem Nachbarn und fragen ihn – und lachen gemeinsam über dieses umhergeblödel!

13.

Die eigene Existenz muss keine metaphysischen Angelegenheiten herauf beschwören. Ihr Gegenteil kann nicht behauptet werden. Wer das Gegenteil dennoch behauptet, der benötigt keinen Theologen, keinen Philosophen, keinen Physiker oder Biologen, kein Argument könnte helfen. Abhilfe brächte nur eine Therapie!

12.

Wer nicht lustvoll lebt, darf keine Gäste erwarten, denn niemand wird die gespielte Musik hören wollen.

11.

Wir alle spielen die gleiche Musik und ihr Kennzeichen ist die Nicht-Identität. Welches Glück und was für Wahnsinn widerfährt jenen Tänzern, die jede Musik mit allen Sinnen hören und tänzerisch verstehen – in aller Körperlichkeit, in voller Lust.

10.

Das Zentrum fehlt. Es muss fehlen! Eine Rhapsodie darf keinen großen Formzusammenhang haben, sonst wäre sie etwas anderes. Aber sie ist nicht voraussetzungslos. Abschätzig blöken ihre Kritiker: „ungeordnet, mangelndes Formbewusstsein, irgendwie irgendwas!“ Doch worauf fußt ihre Kritik? Auf einer einsamen Wahrheit.

9.

Unsere Welt ist eine Rhapsodie und kein Rhapsode singt richtig – aber jeder muss die Möglichkeiten haben, mit seinem Funk zu überzeugen.

8.

Wenn ein Paradigma alles Wesen, Wirken und Wollen in der Welt überlagert, wie könnte man dann noch eine Welt gebären und formen? „Warum sollte man überhaupt Welten formen, es ist doch eine da? Warum sollte man die schwere Geburt, ungeachtet des eigenen Dünkels, wollen?“ Eine sonderbare Frage. Warum macht man das gleiche mit Kindern? Weil wir ohne unsere Schöpfung nicht mehr gebraucht und ausradiert werden.

7.

Wenn die Neurowissenschaften im Stande sind, unseren Geist vollständig zu erklären und die Kunst ein Projekt unserer Seele ist, dann wissen wir in naher Zukunft alles, was es über die Kunst zu wissen gibt und in welcher Beziehung sie zu uns steht. Es scheint, als sei ich nicht die einzig naive Person auf dieser Erde.