20.

Seit Beginn meines universitären Philosophiestudiums verfolgt mich eine absurde Beschneidung meines Erlebens durch Formalitäten, angeführt von der Sprachanalyse. Erst dadurch habe ich gelernt, den Menschen in seiner Fülle wahr- und ernstzunehmen.

15.

Mag es Ideen ohne Gestalt geben, so vermag keine Philosophie gestaltlose Ideen zu vermitteln. Darum benötigen wir eine ausdrucksvolle Form. Form darf aber nicht mit Formalisierung verwechselt werden: die Form ist die bedeutungsvollere Schönheit dieses Zwillingspaares.

9.

Unsere Welt ist eine Rhapsodie und kein Rhapsode singt richtig – aber jeder muss die Möglichkeiten haben, mit seinem Funk zu überzeugen.

6.

Wie naiv ich war. Als junger Mensch träumte ich von einer Philosophie, die nicht nur die Welt neu- und wieder entdeckt, nein, ganz besonders die Welt neu erfindet. Vielleicht nicht nur das: neue Welten erschafft. Gleichzeitig war ich indoktriniert und fasziniert von der Erklärungshoheit und der allgemeinen Alleinstellung der Naturwissenschaften, der harten Wissenschaften. Heute, da habe ich diese Naivetät abgelegt – und komme endlich zu meinem ursprünglichen Vorhaben zurück.

5.

Wir ertragen die Einsamkeit nur in homöopathischen Dosen. Doch wir wissen, dass auch Placebos einen Effekt haben, selbst wenn wir um deren Wirkungslosigkeit ahnen.

3.

Wir sehnen uns Einsamkeit herbei. Wir verwechseln sie mit einem Zustand der Freiheit – bis man einsam ist und ihre volle Last dem Individuum die Luft zum atmen raubt.

1.

Seien wir doch ehrlich: undogmatisch und widerspruchsfrei – nicht einmal ein Irrtum! Jedes System leidet an sich selbst. Jedes System ist ein Versuch, aus dem Labyrinth der Subjektivität auszubrechen und möglichst viele davon zu überzeugen, den gleichen Ausweg zu nehmen. Stattdessen könnten wir versuchen, das Labyrinth gemeinsam zu erkunden, zu vermessen, zu gestalten und endlich mit dem Sehen beginnen: hinter jedem Ausgang befindet sich eine Wahrheit, die den Tod der anderen bedeutet.