7.

Wenn die Neurowissenschaften im Stande sind, unseren Geist vollständig zu erklären und die Kunst ein Projekt unserer Seele ist, dann wissen wir in naher Zukunft alles, was es über die Kunst zu wissen gibt und in welcher Beziehung sie zu uns steht. Es scheint, als sei ich nicht die einzig naive Person auf dieser Erde.

6.

Wie naiv ich war. Als junger Mensch träumte ich von einer Philosophie, die nicht nur die Welt neu- und wieder entdeckt, nein, ganz besonders die Welt neu erfindet. Vielleicht nicht nur das: neue Welten erschafft. Gleichzeitig war ich indoktriniert und fasziniert von der Erklärungshoheit und der allgemeinen Alleinstellung der Naturwissenschaften, der harten Wissenschaften. Heute, da habe ich diese Naivetät abgelegt – und komme endlich zu meinem ursprünglichen Vorhaben zurück.

5.

Wir ertragen die Einsamkeit nur in homöopathischen Dosen. Doch wir wissen, dass auch Placebos einen Effekt haben, selbst wenn wir um deren Wirkungslosigkeit ahnen.

4.

Das Verlangen nach Einsamkeit ist eine Parodie: es macht sich lustig über unsere Unfähigkeit, den Alltag und den Alltagsmenschen zu begreifen.

3.

Wir sehnen uns Einsamkeit herbei. Wir verwechseln sie mit einem Zustand der Freiheit – bis man einsam ist und ihre volle Last dem Individuum die Luft zum atmen raubt.

2.

Es kann nur eine Wahrheit geben; deshalb macht sie einsam.

1.

Seien wir doch ehrlich: undogmatisch und widerspruchsfrei – nicht einmal ein Irrtum! Jedes System leidet an sich selbst. Jedes System ist ein Versuch, aus dem Labyrinth der Subjektivität auszubrechen und möglichst viele davon zu überzeugen, den gleichen Ausweg zu nehmen. Stattdessen könnten wir versuchen, das Labyrinth gemeinsam zu erkunden, zu vermessen, zu gestalten und endlich mit dem Sehen beginnen: hinter jedem Ausgang befindet sich eine Wahrheit, die den Tod der anderen bedeutet.

Die fragmentarische Welt wie sie nicht ist

Für Nietzsche

Im Regen verbirgt sich
Hinter seiner Unscheinbarkeit
Die einzige Wahrheit

Du gehst raus
Hörst das Prasseln
Spürst die Kühle

Und vielleicht das erste Mal
Weißt du.

Schabernack

In Scharen nackt
Wir starren Nachts
Ein Star der lacht
Zwecks Schabernack

Die nackte Schar
Ist starr vor Schreck
Der Star, er kackt
Auf Schabernack

Marsexpedition

Es gibt Dinge, die sind ganz einfach. Das Wirtschaftssystem, Evolutionsbiologie, Gentechnologie gehören nicht dazu. Aber Mathematik: 1 ist eine endliche Zahl. Wenn wir von 1 eine 1 abziehen, dann bleibt 0 übrig. Alles, was mit 0 multipliziert wird, ergibt 0. Wir haben 1 Planet. 0 mal Wirtschaft, 0 mal Technologie, 0 mal Politik, 0 mal Staat, 0 mal Mensch, ergibt in allen Fällen 0. Wir müssen also gut aufpassen, dass wir von unserer 1 endlichen Welt nicht so viel subtrahieren, bis wir mit 0 dastehen. Ganz einfach.

„Umweltpolitik muss mit der Wirtschaft verträglich sein“. Das ist falsch. Umweltpolitik muss nur eines: mit der Umwelt verträglich sein.

Und wie fieberhaft an Marsexpeditionen gearbeitet wird; manche sehen darin wohl eine Alternative 1. Außerdem lässt sich eine Marsexpedition deutlich besser vermarkten als Umweltpolitik. Und darum geht es doch,

oder nicht?