Drei Uhr. Ich schlafe nicht. Denn ich bin krank. Ich bin arbeitsunfähig. Arbeiten deprimiert mich. Arbeiten ist inspirationslos, leblos, in einem kapitalistischen Zusammenhang. Ich bin arbeitsuntüchtig. Würde mich ein Therapeut aufnehmen? Mich behandeln, gezahlt von gesetzlich erhobenen Geldern? Der Leidensdruck ist authentisch. Würde ich eine kognitive Verhaltenstherapie beginnen, in der ich arbeitsmarktkonforme Denkmuster entwickeln sollte und fit für den Arbeitsmarkt gemacht würde und mich unter die Arbeiter mischen dürfte? Ich könnte ja einer Gewerkschaft beitreten und Dinge verbessern, damit alle gerne arbeiten. Arbeit raubt mir mein Dasein. Cogito, sum. Was wenn ein Gedanke zwei Tage benötigt? Er wird notwendigerweise von einem Arbeitstag vernichtet. Bin ich krank? Oder bin ich gestört? — Oder gibt es keine Legasthenie, wenn es keine Rechtschreibung gibt?
Schlagwort: Arbeitsmarkt
Gestreute Radiokommentare
Eine Unternehmerin habe keine Lust auf ihrer Meinung nach faule Gen Z Praktikanten und Praktikantinnen. Ein früherer Lehrer hat 2009 mal zu uns gesagt, wir seien die am besten an den Arbeitsmarkt angepassten und gleichzeitig ängstlichsten jungen Leute der Arbeitsgeschichte. Soziologen würden schon auf einen Umschwung warten. Die Unternehmerin war der Auffassung, die Gen Z sei einfach zu satt. Worüber sie sich eigentlich beschwert ist, dass sie keine Angst mehr haben – außer vor zu wenig Leben. Und dafür feiere ich die sogenannte Gen Z!