Ich weiß auch nicht. Das Problem ist, dass ich nicht wirklich meine Stärken ausspielen kann.

Was sind denn deine Stärken?

Träumen. Darin bin ich ungeschlagen in meiner Altersklasse.

Drei Uhr. Ich schlafe nicht. Denn ich bin krank. Ich bin arbeitsunfähig. Arbeiten deprimiert mich. Arbeiten ist inspirationslos, leblos, in einem kapitalistischen Zusammenhang. Ich bin arbeitsuntüchtig. Würde mich ein Therapeut aufnehmen? Mich behandeln, gezahlt von gesetzlich erhobenen Geldern? Der Leidensdruck ist authentisch. Würde ich eine kognitive Verhaltenstherapie beginnen, in der ich arbeitsmarktkonforme Denkmuster entwickeln sollte und fit für den Arbeitsmarkt gemacht würde und mich unter die Arbeiter mischen dürfte? Ich könnte ja einer Gewerkschaft beitreten und Dinge verbessern, damit alle gerne arbeiten. Arbeit raubt mir mein Dasein. Cogito, sum. Was wenn ein Gedanke zwei Tage benötigt? Er wird notwendigerweise von einem Arbeitstag vernichtet. Bin ich krank? Oder bin ich gestört? — Oder gibt es keine Legasthenie, wenn es keine Rechtschreibung gibt?

Beende folgenden Satz

Wenn einem die Erhöhung des Flaschenpfands als größtes, erreichbares, soziales Ziel erscheint, dann…

Nach 6 Jahren in der Arbeitswelt muss ich meinen Optimismus begraben:

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Was das für mich bedeutet, weiß ich noch nicht. Aber müde bin ich.

Ich wurde neulich gefragt, was mir peinlich sei.

Bayern.

Bayern ist mir peinlich.

Leute haben einen Lieblingsstreamingdienst, aber keinen Lieblingsapfel. Gibt im Supermarkt eh nur zwei: rot oder grün.

Gestreute Radiokommentare

Die Bundesregierung macht den Weg frei für eine Novelle der Straßenverkehrsordnung. Damit Kommunen die sogenannten Elterntaxis vor Schulen eindämmen können. 

Sind die Elterntaxis ein Symptom dessen, dass wir als Gesellschaft unserer eigenen Vergänglichkeit – und der all unserer 8 milliarden Mitmenschen, inklusive unserer Angehörigen – nicht gewahr sind? Wir haben ein Problem mit dem Tod und das ist ein Problem. Die unendliche Konservierung wird nicht einmal in motorisierten Blechbüchsen funktionieren.

Gestreute Radiokommentare

Eine Unternehmerin habe keine Lust auf ihrer Meinung nach faule Gen Z Praktikanten und Praktikantinnen. Ein früherer Lehrer hat 2009 mal zu uns gesagt, wir seien die am besten an den Arbeitsmarkt angepassten und gleichzeitig ängstlichsten jungen Leute der Arbeitsgeschichte. Soziologen würden schon auf einen Umschwung warten. Die Unternehmerin war der Auffassung, die Gen Z sei einfach zu satt. Worüber sie sich eigentlich beschwert ist, dass sie keine Angst mehr haben – außer vor zu wenig Leben. Und dafür feiere ich die sogenannte Gen Z!

Kurierprotokoll

Das Wetter wird besser, die E-Rad-Rentner kommen hervor. Sie sind leicht zu erkennen. Meistens sind sie wackelig, vor allem wenn sie langsam mit ihren  E-Rädern fahren müssen. Sie fallen auch mal um, wenn sie plötzlich bremsen müssen. Außerdem sind sie im Geschwindigkeitsrausch. Denn so schnell sind sie schon seit Jahrzehnten – oder noch nie – mit dem Fahrrad gewesen. Das trübt ihre Entscheidungsfähigkeit. Sie meinen, sie müssten Rennen mit Rennradfahrern starten und gefährden dadurch sich und andere. Sie meinen, sie müssten alle überholen und schätzen Freiräume deutlich zu groß ein. Wenn der Motor dann ab 25 km/h ausschaltet, sind sie überrascht. Diese Arroganz gibt es häufig kostenlos zu E-Rädern dazu. Denn eigentlich sind sie Fahranfänger, die mit viel zu wuchtigen Rädern (aber immer mit Helm!) viel zu schnell fahren können.

Man kann ihnen allerdings wenig vorwerfen. Sie sind Werbelügen aufgesessen. Fitness, Umwelt, länger leben. Ich halte dagegen: ein Antrieb statt Training, ein Motor inklusive sehr umweltschädlicher Batterie und viele Verletzte und Tote, die mit ihren E-Rädern nicht umgehen konnten.

Kurierprotokoll

Kein Wirtschaftsliberaler braucht mir die Mähr von kapitalistischer Vielfalt aufschwatzen. In den neuen Wohngebieten entlang der S-Bahn sind pro Brücke ein Aldi, ein Rewe oder Edeka und ein Rossmann oder DM. Drinnen dann überall das gleiche: milder Yoghurt, cremiger Käse, sanfter Orangensaft, sahniger Pudding, milde Gurken. Ich verrate euch was: ich will es sauer, bitter, kernig. Ich will, dass alles nach dem schmeckt, was es ist. Ich bin hungrig nach Leben und Sensationen. Die marktgleichmacherei kotzt mich an. 50 Kirschyoghurts, aber keiner mit ausschließlich echter Kirsche. Was ist das für eine Verarschung? „Der Konsument will das so.“ Nein, ihr habt den Konsumenten dazu getrimmt, dass sein Fleich rosa aussehen muss, dass er die neueste Chipssorte dringend will und dass er glaubt, Marken machten sein Lebensgefühl geiler.